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Achilles und Parzival

Achilles wollte der größte Krieger aller Zeiten werden. Sein Ziel war Ruhm – ein Name, der niemals vergessen wird. Für dieses Ideal nahm er unermessliches Leid in Kauf. Schon der erste Satz der Ilias erzählt von seinem Zorn, der zahllosen Griechen das Leben kostete. Sein Blick war auf die eigene Größe gerichtet.

Viele Jahrhunderte später erzählt die Parzival-Dichtung dieselbe Grundfrage in christlicher Gestalt weiter. Auch Parzival will der vollkommene Ritter werden. Auch er sucht Größe. Als er jedoch zum ersten Mal auf die Gralsburg gelangt, scheitert er. Er sieht das Leid des Gralskönigs, fragt aber nicht: „Worunter leidest du?“ Er bleibt in sich selbst gefangen – in der Frage nach der eigenen Vollkommenheit.

Erst nach Jahren des Irrens reift er. Er erkennt, dass wahre Größe nicht darin besteht, sich selbst zu vervollkommnen, sondern sich selbst zu überschreiten. Der ideale Ritter wird er nicht, indem er an sich denkt, sondern indem er den anderen sieht. Er vergisst sich nicht im Sinne der Selbstverleugnung, sondern transzendiert sich. Er bleibt ganz er selbst – und richtet seine Aufmerksamkeit auf den Leidenden.

Als er schließlich fragt: „Worunter leidest du?“, wird nicht nur der Gralskönig erlöst. Auch Parzival findet seine eigene Bestimmung.

Der Weg führt also von Achilles zu Parzival: vom Streben nach eigenem Ruhm zur Hinwendung zum anderen Menschen. Nicht Selbstverherrlichung, sondern Mitgefühl und Selbsttranszendenz eröffnen den Weg zur wahren Größe.



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