Keine Familienaufstellungen mehr
- Armin Wilding
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

[🏅KI-frei¹] Ich werde künftig keine Familienaufstellungen mehr anbieten. Dafür gibt es gute Gründe, die ich nun für meine Klienten, Bekannten und alle an dieser Methode Interessierten erläutern möchte, da Aufstellungen keine triviale Sache sind und ihre Risken beinhalten.
Das Familienstellen erfährt in den letzten Jahren einen Boom, und Aufsteller tauchen an allen Ecken und Enden auf - die meisten jedoch, ohne die Methode und die oft tiefschürfenden Erlebnisse in ein Konzept von Entwicklung, Therapie und ein ganzheitliches Menschenbild einfügen zu können, auch ohne die menschliche Erfahrung und Reife, um ihre Teilnehmer an die Hand nehmen und sicher leiten und begleiten zu können. Dadurch entstehen ungünstige, bisweilen sogar schädliche Effekte: Tief bewegt verlassen Teilnehmer Aufstellungsveranstaltungen, sind dann aber wieder mit ihrem Alltag und dem in der Seele Hochgebrachten allein. Im besten Fall verflacht sich das Erlebte und man gerät erneut in alte Verhaltens- und Gefühlsmuster. Im schlimmesten Fall bleibt man mit Retraumatisierungen allein. Die einen gehen dann wieder und wieder zu Aufstellungstagen, erfahren eine neue Dosis Bewegtheit und schließlich wiederholt sich dasselbe wie zuvor. Andere ziehen den Schluss "Hat mir nicht wirklich was gebracht" und sind darauf angewiesen, jemanden zu finden, der sie begleitend-therapeutisch auffängt.
Was nach meinen Jahren als Familienaufsteller feststelle:
Familienaufstellen wird oft als Einzelevent "konsumiert". Berührend, aufwühlend, aber nicht mehr. Es kommt nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung des Menschen oder bleibenden Heilung des Familiensystems.
Viele Teilnehmer verstehen nicht, dass Familienstellen Teil einer therapeutisch-entwickelnden und regelmäßigen Arbeit über zumeist Jahre hinaus sein sollte, um recht integriert und wirksam zu werden. Hier ist leider oft finanzielles Kalkül das Hindernis für bleibende Veränderung: Während eine Aufstellung ca. 150-200 Euro kostet, muss man für ein Jahr intensiver therapeutischer Arbeit bei einem guten Begleiter zwischen 3.000 und 6.000 Euro rechnen.
Familienstellen ist eine intime, verantwortungsvolle Sache, die nicht in die Hände von ergriffenen Amateuren oder begeisterten Seelenheilern gehört, sondern vor allem anderen in die Kompetenz von Menschen, die sich bewusst sind, was sie tun. Letzteres möchte ich auch von mir selbst behaupten dürfen - daher stelle ich weiters Folgendes fest:
Familienstellen soll sich nicht nach Gruppengrößen und Finanzierung richten müssen, wenn damit Kompromisse eingegangen werden, die aus therapeutischer Sicht unverantwortlich sind. Es muss klare Ausschlusskriterien für unpassende Teilnehmer und unpassendes Verhalten geben - übrigens auch seitens der Aufsteller. Dem steht, wenn der Aufsteller seine Arbeit entsprechend honorieren möchte, ein wirtschaftlicher Aspekt entgegen, der zu untragbaren Kompromissen führt.
Schließlich bin ich in meiner Arbeit zum Schluss gekommen, dass Logos Evolution als Entwicklungs- und Beratungsmodell in der Einzel- und Paarberatung wirksamer und nachhaltiger ist, wenn ich mich Eins-zu-Eins mit dem/der Klienten/in befassen kann und Aufstellungen in Form von Systembrett mit Figuren, Bodenankern, Bodenfiguren oder Stühlen anwende.
Kurzum: Ich möchte Wirkung und Beziehung entfalten, nicht das Bedürfnis nach Erlebnissen oder Show bedienen. Wenn sie auch ein gutes therapeutisches Mittel sind - niemand ist auf Familienaufstellungen angewiesen, um gesund, reif und stark zu werden. Im Gegenteil: Oft sind bewusste Nüchternheit, mutige Erkenntnis und klare Entscheidungen der direkte Weg zu großen Veränderungen. Dazu lade ich meine Klient/innen auch weiter ein und freue mich auf herzliche, tiefgründige und wirkungsvolle Begegnungen.
¹ Dieser Text wurde am 27. August 2025 vollständig von Armin Wilding verfasst, redigiert und korrekturgelesen.
#ostbelgien #luxemburg #nordenluxemburgs #eifel #westeifel #rheinlandpfalz #weiswampach #prüm #bitburg #eupen #psychologe #paarberatung #psychologischeberatung #paartherapie